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DGB-Ausbildungsreport Nordrhein-Westfalen 2016

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DGB-Ausbildungsreport Nordrhein-Westfalen 2016

DGB-Ausbildungsreport Nordrhein-Westfalen 2016 DGB DGB-Ausbildungsreport Nordrhein-Westfalen 2016

Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist seit vielen Jahren angespannt. Trotz sinkender Zahlen von Schulabgän ger_in nen und einer wachsenden Anzahl von jungen Menschen, die ein Studium einer beruflichen Erstausbildung vorziehen, gelingt es nicht, die Lücke zwischen Bewerber_innen und den zur Verfügung stehenden Ausbildungsplätzen zu schließen. Unverändert gering zeigt sich die Ausbildungsbereitschaft der Unternehmen, von denen nur noch etwas mehr als ein Fünftel ausbildet. Dies passt nicht zu den zeitgleichen Klagen über den zukünftigen Fachkräftemangel.

Die Planung der Berufsbildung erfordert ein umfassendes Bild der Lage auf dem Ausbildungsmarkt. Nur so können die erforderlichen Entscheidungen vorbereitet und getroffen werden. Wir brauchen daher einen Paradigmenwechsel: Jugendliche, die keinen Ausbildungsplatz erhalten haben, dürfen in der Statistik nicht als »versorgt « gezählt werden. Junge Menschen, die in Warteschleifen »geparkt « werden, müssen auch als unversorgte Bewerber geführt werden. Nur so lässt sich ein realistisches Bild vom Ausbildungsmarkt zeichnen.

Alle reden über Jugendliche – wir haben sie befragt

Seit nunmehr neun Jahren macht die DGB-Jugend NRW mit dem Ausbildungsreport auf Mängel aufmerksam und leistet ihrerseits damit einen wichtigen Beitrag in der Debatte um die Qualität der Berufsausbildung in Nordrhein-Westfalen. Wie in den Jahren davor haben wir die Expertengruppe befragt, die sonst nicht zu Wort kommt: die Auszubildenden selber. Ihre persönlichen Erfahrungen sind die Grundlage der Ergebnisse. An der schriftlichen Befragung in diesem Jahr nahmen 5.400 Auszubildende aus den 25 häufigsten Ausbildungsberufen teil. Darunter sind Auszubildende aus allen Ausbildungsjahren und großen und kleinen Betrieben.

Die Ergebnisse des Ausbildungsreports zeigen in diesem Jahr erneut, dass der Großteil der Auszubildenden mit seiner Ausbildung insgesamt zufrieden ist, allerdings gibt es erhebliche Unterschiede zwischen den befragten Ausbildungsberufen. Es gibt immense Probleme im Hotel- und Gaststättenbereich, im zahnmedizinischen Bereich, im Lebensmittelhandwerk sowie bei Friseur_innen. Kennzeichen sind lange Arbeitszeiten, häufige Überstunden, eine mangelnde Ausbildungsqualität und eine unterdurchschnittliche Vergütung. Folglich werden diese Berufe als immer unattraktiver angesehen.

Dass in vielen Bereichen nicht einmal die gesetzlichen Mindeststandards eingehalten werden, ist ein alarmierendes Signal und stellt die Ausbildungsreife der Betriebe in Frage. Nicht zuletzt ist in der Frage der Qualität der Ausbildung auch die Politik gefordert.

Schwerpunkt 2016: Psychische Belastungen

Wie in den letzten Jahren wird auch im Ausbildungsreport 2016 ein besonderes Schwerpunktthema unter die Lupe genommen. Dieses Jahr haben wir die Jugendlichen nach psychischen Belastungen in ihrer Ausbildung befragt, die – wie der Report zeigt – leider keine Ausnahmen sind. Um nur einige Zahlen zu nennen: Etwa die Hälfte (51,3 Prozent) fühlt sich durch Arbeitsanforderungen oder schlechte Arbeitsbedingungen stark belastet, Probleme mit Kolleg_innen oder Vorgesetzten bemängelt jeder achte Auszubildende. Insgesamt ein Fünftel der Befragten klagt über einen hohen Leistungs- und Zeitdruck. Es gibt jedoch deutliche Branchenunterschiede: In den fünf am schlechtesten bewerteten Berufen klagt fast jeder Dritte über Leistungs- und Zeitdruck.

Die Ergebnisse des Ausbildungsreports zeigen, mit welchen Problemen Auszubildende zu kämpfen haben und wie verbreitet diese sind. Was die Zahlen nicht leisten können, ist zu zeigen, was das für die betroffenen Jugendlichen konkret bedeutet. Daher wurden die Befragungsergebnisse wieder um beispielhaft ausgewählte Beiträge aus unserem Beratungsforum Dr. Azubi am Ende der Studie ergänzt. Sie veranschaulichen die Probleme und die Lebenssituation der jungen Auszubildenden und gewähren einen Einblick in den Ausbildungsalltag der jungen Menschen.

Es ist offensichtlich, dass die bestehenden gesetzlichen Regeln für die Gestaltung der beruflichen Ausbildung nicht ausreichen. Für eine Erhöhung der Qualität in allen Branchen, die Lernen ermöglicht und psychische Belastungen und Stress vermeidet, ist eine Reform des Berufsbildungsgesetzes unabdingbar.

Eric Schley
Bezirksjugendsekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nordrhein-Westfalen

Andreas Meyer-Lauber
Vorsitzender des Deutschen Gewerkschaftsbundes Nordrhein-Westfalen